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Kar-Woche

Karwoche heißt die Woche unmittelbar vor Ostern. Sie ist die Woche, in der man sich an den Leidensweg Jesus erinnert. Palmsonntag hat seinen Namen, weil an diesem Sonntag in der Bibel erzählt wird, wie Jesus auf einem Esel unter dem Palmenjubel der Menschen in die Stadt Jerusalem einzieht.

Die folgenden  Wochentage trage alle den Vor-Namen „Kar-„.  Kar stammt vom althochdeutschem Wort "chara" oder "kara" und bedeutet Kummer, klagen, trauern oder auch sorgen. Ostern ist ohne diese Erinnerung an das Leid, das bis zum Kreuz führt nicht denkbar. Tag für Tag gehen wir durch die Woche.

Wir begleiten diese Woche auch musikalisch mit den  „Sieben Worten am Kreuz“ – die letzten Worte, die Jesus zugeschrieben werden und seinen Weg deuten.  Eine musikalische Begleitung finden Sie auf unserer Seite – siehe hier!

Andacht zu Palmsonntag 5. 4. 2020

„Wo man das Evangelium predigt, wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis.“ Mk, 14, 9. Man wird sich an diese Frau erinnern. Das sagt Jesus, als eine aufgeregte Menge ihrem Ärger Luft macht.
Der Evangelist Markus erzählt von einer Frau, die, als Jesus mit Leuten zusammen sitzt, kommt, ein Glas zerbricht und kostbarstes Öl über sein Haupt gießt und ihn salbt. „Einige“ sind entsetzt, doch Jesus verteidigt sie,  die Frau, weil er spürt, dass sie in ihrer Liebe zu ihm tiefer sieht und spürt, was jetzt dran ist.

Was tut sie? Sie verschwendet kostbare Ressourcen. Sie salbt Jesus in einem überraschenden Moment mit kostbarem teuren Duftöl. Sie verschwendet es regelrecht.  Wo Tropfen genügten, zerbricht sie das ganze Fläschchen. Sie berührt.  Sie berührt Jesus - einen Mann, körperlich. Sie überschreitet  und  „rührt“ zugleich an Grenzen:  „Einige“  der Zuschauer „berührt“ es offensichtlich unangenehm. Wie kann sie nur?  Jesu berührt es auch. Es „rührt“ an seinem Herzen. Er spürt die Liebe. Und in dieser Liebe die verborgene Erkenntnis: ich weiß, wer du, Jesus, für mich, für uns bist. Und ich spüre, was in der Luft liegt. Das Leben ist bedroht. Das kann nur die Liebe – tiefer sehen, sich berühren lassen und einander verstehen – manchmal ohne Worte. Wissen, was dran ist.

Und die Anderen? Sie sind Zeugen von diesem tiefen Geschehen. Nicht weniger aber auch nicht mehr. Das bringt die Dynamik in diese Szene. Nicht, sie, die Jünger, die, mit denen er gerade im Gespräch war, stehen im Mittelpunkt. Nein, die Frau und ihr Tun und die Beziehung zu Jesus sind nun wichtiger geworden. Das Zentrum der Aufmerksamkeit ist gewandert. Das kann wehtun, ärgern, Unverständnis erregen. Sie sind draußen. Um sie geht es gerade nicht. Die Macher, Jesu-Wegbegleiter, die, die sonst immer zum inneren Kreis gehört haben, sie spielen eher im Hintergrund eine Rolle, als Zuschauer, als zur Geduld ermahnte Beobachter. Sie sind gerade nicht dran. Das weckt zuweilen Murren, Neid. Der Vorwurf der Verschwendung  gerät zum Vorwand: „Hätte man das Geld nicht besser verwenden können?“

Die Geschichte, die in die Karwoche hineingehört, sie trifft mich in diesen „Corona-Zeiten“ ganz neu. Sie berührt – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie führt uns  vor Augen, dass berühren und berührt zu werden auch körperlich zu unserm Menschsein dazugehört. Es erinnert an Sehnsucht, sich einander nah sein zu dürfen. Wie schön ist es, sich mit allen Sinnen wahrzunehmen, heranzutasten, zu umarmen, die Hand drauf zu geben – all das macht das Leben aus. Das aber ist bedroht.

Alles, was da stark und gesund scheint, die Wirtschaft, die unser ganzes wohlständiges selbstverständliches Leben sonst am Laufen hält,  steht gerade nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Viele von uns sind zum Nichtstun und Aushalten verurteilt ist. Das tut auch weh und geht ans Portemonnaie.  Aber andererseits: Jetzt geht es um die Kranken,  älteren Menschen, um das nackte bedrohte Leben. Und um die, die sich in großer Nähe um andere kümmern, ihr Leben riskieren. Sich verausgaben mit Kräften und Mitteln. Um unsere Kultur des solidarischen Zusammenhalts – auch grenzüberschreitend.  Die Finanzen werden ausgeschüttet, Sparschweine werden zertrümmert, damit es fließen kann, das „heilende Öl“ für das Leben.

Ist es wirklich nötig? Hätte man nicht? Jesus sagt zu den Umstehenden, die sich aus unterschiedlichen Motiven wundern: „Man wird sich an diese Frau erinnern“. Und ich denke: Man wird sich an all die Menschen erinnern, die geben in diesen Tagen, in den Krankenhäusern, in den Pflegeheimen, in der Versorgung, beim Schuldenerlass usw. Bei der Geduld und dem Aushalten dem Zuhause-Bleiben und der Kreativität. Alles aus freiem Willen – nicht erzwungen. Das ist es, was mich berührt in diesen Tagen – diese Nächsten-Liebe. Daran wird man denken, wenn man sich erzählt, später…
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Kar_Montag

Hoffnungsbilder angesichts des Todes. Geht das überhaupt?  Hoffnung ist das, was uns letztlich wirklich am Leben erhält. Hoffnung ist auch das, was Menschen zuweilen getrost einen schweren Weg gehen lässt. Tod, Schmerz, Leid ist nicht das Ende. Auch, wenn alles dagegen zu sprechen scheint, etwas glauben, sagen tun, was den Morgen erwartet. Ernst Bloch geht im „Das Prinzip Hoffnung“ dieser Grundenergie nach.  Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns?  Es scheint eine neue Aktualität zu gewinnen, in einer Zeit, wo Verwirrung sich breit macht. Alles gerät ins Wanken. Unsicher ist vieles geworden. Es geht darum mit dieser Angst und Furcht vor dem was kommt umzugehen. Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Und, wenn man so will, selbst im Scheitern schon einen neuen Anfang zu sehen. „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“, sagt Jesus zu einem derer, die neben ihm am Kreuz hängt. Hoffnung auch über lebensbegrenzende Erfahrung hinaus….