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Mittsommer

Wenn die Nacht auf sich warten lässt…

Ich liebe den Sommer – besonders wenn es auf Mittsommer zugeht. Ich mag es, wenn der Tag nicht zu Ende zu gehen scheint. Draußen sitzen, Licht und Wärme spüren – das Leben scheint unendlich voller Energie. Vor einigen Jahren war ich zu dieser Zeit in Schweden. Da spürte ich die Freude der Menschen, die in Skandinavien leben, wie sie sich am Licht und am Aufenthalt im Freien freuen. Diese Freude steckte an. Der Schlaf nahm gefühlt sehr wenige Stunden ein. Wir feierten das Leben, die Energie, das Licht. Wir feiern es jedes Jahr im Bewusstsein, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden, wo die Nacht länger ist, als der Tag. Wo Rückzug, Kälte, Dunkelheit Leben auch lähmen kann. Auch Ängste kommen zuweilen dann hervor gekrochen aus den tiefsten Abgründen unserer Herzen und Seele. Am 24. Juni feiern wir auch das Fest des Johannes des Täufers. Er gilt als derjenige, der von der Geburt eines Menschen spricht, der mitten in solch tiefen dunklen Nächte Licht und damit Lebenshoffnung bringen wird. Er weist auf Jesus Christus hin, der es vermag, Angst und Not zu vertreiben – oder zumindest erträglicher zu machen. Mitten im Sommer können wir auf eine Nacht zugehen, die auf sich warten lässt. Wir können sie getrost erwarten – auch die sogenannte „dunkle Jahreszeit“ - , weil auch diese Nacht überraschend Leben bringt. Verborgenes darf zutage treten, Tränen dürfen fließen, Müdigkeit wird im Schlaf gestillt. Auch das gehört zu einem gnazne Leben. Natürlich ist immer beides da zu jeder Jahreszeit. Aber wir sind der Natur – so sehr wir sie genießen können – nicht nur ausgeliefert, denn es ob es hell oder dunkel wird liegt allein in Gottes Hand, der will, das wir leben. Und das lohnt sich zu feiern – am Tag und in der Nacht.

Gott begegnen

"Gott lächelt und mag Cola"

Da ist sie wieder – diese Lust und Freude an Begegnungen. Der Sommer lockt aus den Häusern und dem Alltag der letzten Wochen. Ferien und Urlaubszeit beginnt. Es ist die Zeit, in der wir Abstand nehmen können vom Alltag. Mit Abstand kennen wir uns jetzt aus. Manchmal tut es weh, manchmal auch gut, im Moment nötig. Vorteil vom Abstandnehmen ist: Menschen und Dinge klarer zu sehen. Das macht wahrscheinlich auch Urlaubszeit so reizvoll – Abstand zu nehmen vom Gewohnten: Einfach mal raus und sich erfrischen lassen. Das Leben aus einem anderen Blickwinkel sehen, aus einem Gedankenkarussell aussteigen, sich auf Neues einlassen. Kann ja sein, dass mir etwas Schönes, Überraschendes begegnet. So geht es einem Jungen in einer Geschichte von „Andere Zeiten“-Verlag. Dieser macht sich auf den Weg, weil er Gott begegnen will. Er packt seinen Rucksack mit Cola und Keksen. Auf einer Bank im Park macht er Pause. Neben ihm sitzt eine ältere Dame, die ihn aus den Augenwinkeln beobachtet, während er Kekse knabbert. Als er ihr einen Keks reicht, lächelt sie so schön, dass er diesen Vorgang wiederholt – immer wieder. So sitzen sie eine Weile beieinander, unterhalten und verabschieden sich nach geraumer Zeit. Als der Junge abends fröhlich nach Hause kommt, fragt die Mutter nach dem Grund: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen und sie hat ein wundervolles Lächeln.“ Die Frau, die von ihrem Sohn zu Hause bereits erwartet wird und der sich über ihre Freude wundert, erzählt von ihrem Tag: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen – er mag Cola und ist jünger, als ich dachte.“ Abstand vom Alltag bringt manch Überraschung fürs Leben, Gottes-Begegnungen nicht ausgeschlossen. So etwas geschieht auf jeden Fall mit und ohne Abstandsregelungen.

Meditation zu Trinitatis

von Wolfgang Teichert


Segen und der Name Aaron
Wie der aaronitische Segen hat es nur noch ein biblischer Text es so ungebrochen bis in die allgemeine kirchliche Praxis geschafft, und das ist das Vaterunser. Ebenfalls geprägte Worte, ebenfalls eine Empfehlung „von ganz oben“: Vom Segen wird erzählt, dass Gott selbst ihn Mose aufgetragen habe; vom Vaterunser wird erzählt, Jesus selbst habe seinen Jüngern empfohlen, so zu beten. Das eine, der Segen, ist ein Wunsch, das andere, das Vaterunser, ein Gebet. Ein Wunsch des einen, des Priesters, für die Gemeinde. Ein Gebet der Gemeinde für sich selbst. Beide Texte sind Annäherungen an höchstes Unverfügbares.
Der „Herr“(Juden sprechen  das erst gar nicht aus) ist Subjekt des priesterlichen Segens. Und uns ja nicht unbekannt: Hier bleibt der Abstand gewahrt und Wünsche ausgesprochen: Der Herr segne … , der Herr behüte … Der Herr lasse leuchten … Der Herr sei gnädig … Der Herr gebe Frieden … Abstand zum Heilige.
Der Herr segne … , Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein (1 Mose 12): Das ist so ziemlich das Erste, was Abraham hört, als er Gott hört. Als er seinen Weg mit dem vorher unbekannten einen Gott beginnt. Der Kraft des Segens. Wied am ersten Schöpfungsmorgen: Und Gott segnete die Tiere und die Menschen und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch …(1 Mose 1) – Und siehe, es war sehr gut.
Der Herr behüte … Der Herr ist mein Hirte – der gesamte Psalm 23 entfaltet dies Bild.
 Der Herr lasse leuchten … Gottes Angesicht: zweimal kommt es vor in diesem komprimierten Segenswunsch. Ich denke dabei an Hagar, die vor Sara und Abraham in die Wüste geflohen ist, verzweifelt, um zu sterben – und die da, in der Wüste, in der Todesnot, entdeckt: Gott sieht mich an. Den Brunnen, den sie findet, den ein Engel ihr weist: Sie nennt ihn „Gott sieht“: den „Brunnen des Lebendigen, der mich sieht“. Das ist eine heilende Lebenserfahrung. (1 Mose 16,14) Und ich denke an Jakob, den Segensdieb. Wie er sich fürchtet vor Esau, seinem zu Recht zürnenden Bruder. Wie sie sich schließlich gegenüberstehen, am Grenzfluss. High Noon. Eine Szene zum Atem anhalten. Und wie Esau dann die Arme ausbreitet. „Mein Bruder, ich habe dich vermisst“. Und Jakob: .. ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. (1 Mose 33,10) Der Herr sei gnädig …
Das deutsche Wort „Segnen“ kommt aus dem Lateinischen von significare oder signare, „kennzeichnen, von Gott infiziert werden, sein Leben unter ein anderes Vorzeichen gestellt sehen.“
Wir sind Mitgesegnete des ersten Segensempfängers. (F.W. Marquardt). Man sollte übrigens die Segengeschichte, auf der Folie der Sintflutgeschichte. In unseren Worten: Segen geschieht vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe!
Segen ist – mit heutigem Ausdruck gesagt – „energetische Kraft“, Lebenskraft, die zwischen Menschen fließt. Und sie ist der Katastrophe ab gewonnen (nicht einfach entgegengesetzt, wie man früher gesagt hat)
Segen geschieht in diesen Zeiten als Blickkontakt zwischen uns. Der „Augenblick“ dauert etwa 20 Sekunden, ein Geschehen, in dem Energie fließt. Und wie!: Sympathie, Abwehr, Geilheit, Güte, Zuneigung. Statt sich mit Blicken zu töten, hält man mit ihnen auch friedliche Distanz.
Auch unsere verbalen Wünsche per Wort, Brief oder Mail – sind lebenserhaltende energetische Ströme! Statt einander den Teufel an den als Hals zu wünschen, sagt man lieber: ich wünsche Dir gute Gesundheit.- Statt gleich zu fluchen, sagt man lieber erst mal: Guten Tag oder Tschüss - ein verdrehtes „Adieu“, zu Gott hin.
Worauf ich hinweisen will: Im Alltag geschehen jede Menge Austausch von Lebenskraft.

Und wir können spüren: Segen ist in jeder Hinsicht ein leibliches Geschehen, Blickkontakt, Körperkontakt, aber auch Worte wirken leiblich und werden leiblich aufgenommen. Zwischen Menschen fließt diese Kraft nun einmal.
 Wir wissen aber auch – an unseren Erschöpfungen können wir es spüren – dass unsere eigne Lebenskraft – nur weiter gegeben – begrenzt ist. Die Religion verspricht und behauptet allerdings: es gäbe einen Segen der unerschöpflich sei. Gottes Segen. Frage: Wie kommt man an diese Kraft heran?
Luther hat dafür einen einfachen Weg gefunden.

Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen: Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
Ich danke dir,
mein himmlischer Vater,
durch Jesus Christus,
deinen lieben Sohn,
dass du mich diese Nacht
vor allem Schaden und Gefahr
behütet hast, und bitte dich,
du wolltest mich diesen Tag
auch behüten vor Sünden
und allem Übel,
dass dir all mein Tun und Leben
gefalle.
Denn ich befehle mich,
meinen Leib und Seele und alles
in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir,
dass der böse Feind
keine Macht an mir finde.

Amen.

Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt. Wichtig schließlich für den Segen und dessen Wirkungen ist unsere Stimme! Was schwingt in dem, was wir sagen, unausgesprochen mit? Liebe und Hass, Vorwürfe und Annährungen, persönliche Emotion und Verlassen auf ein Außen. Wir sagen etwas durch unsere Stimme, ganz aktiv, aber gleichzeitig ist unsere Stimme von Stimmungen erfüllt.
Und nun taucht der Name auf, der seit einigen Jahren wieder zu den meist gewählten Vornamen in Deutschland zählt: „Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“
Augen, die leuchten, weil sie Göttliches sehen. „Ich sehe Dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen“, heißt es im Choral. Das Geheimnis dieses Segens spricht unsere Sehnsucht an, so leuchtend angesehen zu werden. Davon lässt sich leben, so selten das auch geschehen mag. Das gibt Anteil an der Kraft der Schöpfung, des Lebens und des Fortbestandes. Und es ist ein Nahesein, das zugleich Schutz anbietet, vor dem, was unsere Lebenskraft bedroht.
Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig. Sechsmal spricht der Segen die Gesegneten direkt an, ein Ort der Sehnsucht und Regression, der zugleich unseren Fortschritt unsere Progression unser Weitergehen vertrauensvoll ermöglicht. Gnade, welch kaum noch gebrauchtes Wort! So sein zu dürfen wie man ist. Und darin noch geliebt werden mit all unsren Ambivalenzen, Unstimmigkeiten, Verlorenheiten, Kostbarkeiten und Verlogenheiten. Unglaublich!
„Keiner kann etwas werden, wenn nicht jemand an ihn geglaubt hat“, schreibt der Schriftsteller Paul Auster. Recht hat er
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Dieses Angesicht soll auf uns liegen und Teil von uns werden, auf dass wir den Schalom auch weitergeben können. Er schenke dir seinen Frieden. Es geht nicht um menschlichen Frieden, sondern allumfassenden Frieden, der weiter reicht als  menschliches Friedensdenken und Klimagipfel. Dieser Shalom soll über uns kommen und uns begleiten, damit wir in seinem Geist das Leben gestalten können. Das ist Segen.